Wortgottesdienst: Aus der Hoffnung leben

VonJonas Wolf

Wortgottesdienst: Aus der Hoffnung leben

* Lied: In der Mitte der Nacht (TR 467)

* Einleitung:
Hoffnung – auf was wir so alles hoffen: gute Ergebnisse in der Schule, gelingende Freundschaften, eine passende Lehrstelle, Anerkennung im Beruf, die Erfüllung vieler Wünsche… Ob ich mir auch etwas von der Kirche erhoffe, vom Glauben, von Jesus?

* Geschichte:
Vor langer Zeit lebte in Nordchina ein alter Mann. Sein Haus zeigte nach Süden und vor seiner Haustür ragten die beiden großen Gipfel des Tainang und Wangwu empor. Sie versperrten den Weg nach Süden. Entschlossen machte sich der Alte mit seinen Söhnen an die Arbeit: Sie wollten die Berge mit der Hacke abtragen.
Der Nachbar des alten Mannes sah das und schüttelte den Kopf: „Wie närrisch ihr doch seid“, rief er, „es ist vollkommen unmöglich, dass ihr die gewaltigen Berge abtragen könnt!“
Der alte Mann lächelte weise, dann sagte er: „Wenn ich sterbe, dann werden meine Söhne weitermachen. Wenn meine Söhne sterben, werden die Enkel weitermachen. Die Berge sind zwar hoch, aber sie wachsen nicht weiter. Unsere Kräfte jedoch können wachsen. Mit jedem Stückchen Erde, das wir abtragen, kommen wir unserem Ziel näher. Es ist besser, etwas zu tun, als darüber zu klagen, dass uns die Berge die Sicht auf die Sonne nehmen.“ Und in unerschütterlicher Überzeugung grub der Alte weiter.

* Musik:
Während meditative Musik spielt, wird der folgende Besinnungstext vorgelesen:

* Text:
So ist es mit der Hoffnung: ein riesiger Berg von Problemen, davor ein kleiner Mensch – mit begrenzter Kraft, mit begrenzter Zeit, aber mit einer Zuversicht im Herzen, die ihn in der Gegenwart anpacken lässt, weil er an die Zukunft glaubt.
Was ich von der Zukunft erhoffe, das bestimmt mein Handeln in der Gegenwart. Wenn ich befürchte, dass an einer Situation nichts mehr zu retten ist, warum sollte ich mich dann anstrengen, statt es mir bequem zu machen. Wenn aber die Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde in meinem Herzen Raum hat, dann werde ich auf diese Zukunft hin leben und handeln, auch wenn es noch so viele Rückschläge gibt.
Menschen, die aus Hoffnung leben, sehen weiter.
Menschen, die aus Liebe leben, sehen tiefer.
Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht.

* Schrifttext: (1 Petr 3,13-15)
Wer wird euch Böses zufügen, wenn ihr euch voll Eifer um das Gute bemüht? Aber auch wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leiden müsst, seid ihr selig zu preisen.
Fürchtet euch nicht vor ihnen, und lasst euch nicht erschrecken, sondern haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.

* Lied: Suchen und fragen (TR 171)

* Text:
Unsere Hoffnung muss Phantasie bekommen, die diese kranke Welt neue entwerfen kann, die das ausmalen, ausdenken, ausdeuten, ausbreiten kann, von dem wir jetzt nur träumen können: den neuen Himmel und die neue Erde.
Unsere Hoffnung muss Hände bekommen, die Hand anlegen an dieser kranken Welt, heilende Hände anlegen, welche die Tränen abtrocknen und sich nicht abfinden mit der Unerlöstheit dieser kranken Welt.
Unsere Hoffnung muss Füße bekommen, die sich wund laufen für das Heil der Welt, denen kein Weg zu weit und zu schwer ist, zu den Menschen zu gehen, die den Weg Jesu Christi weitergehen, die Gott hier auf Erden in Gang bringen.
Unsere Hoffnung muss Worte bekommen, welche die Menschen verstehen, ein rechtes Wort zur rechten Zeit, Worte, die Trauer tragen, Worte die trösten, Worte, die Freude schenken.

* Gebet:
Gott hat damit seinen Anfang gemacht, in seinem Sohn Jesus Christus, in ihm hat die Hoffnung der Menschen, die Hoffnung dieser kranken Welt Hand und Fuß bekommen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Gott hat damit den Anfang gemacht, wir müssen weitermachen. Darum dürfen wir zu ihm beten:
Herr, wenn wir hoffen, dann träumen wir nicht. Wenn wir dir vertrauen, dann wollen wir auch nicht vor den Aufgaben fliehen, die uns die gegenwärtige Welt stellt. Denn Hoffen ist mehr als bloß warten, mehr als sich überraschen und etwas auf sich zukommen lassen. Hoffen heißt: die Zeit, die wir in unserem Leben haben, nützen und reich machen durch eine sinnvolle Lebensgestaltung: sich breit machen für die neue Welt.
Dahin schauen wir voraus und hoffen. Du bist uns dabei Vorbild, Zeichen und Weg. Du bleibst uns lebendig vor Augen in Menschen, die auf deiner Linie sind, deine Liebe tun und die Hoffnung leben. Für diesen Mut zum Hoffen und den damit verbundenen Beginn einer neuen Wirklichkeit erbitten wir deinen Segen.

* Lied: Kleines Senfkorn Hoffnung (TR 707)

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