Ideen für Gruppenstunden

VonJonas Wolf

Ideen für Gruppenstunden

Gewaltloses Geländespiel

Gerade in der Ferienzeit spielen in unserer Gruppenarbeit Geländespiele eine große Rolle. Aber gerade hier wird die Lösung bisher fast nur durch Gewalt, Brutalität und Schlägerei erreicht. Da diese Spiele aber für unsere Jugendarbeit von besonderem Reiz sind, zeigt sich hier eine ideale Möglichkeit, einzuhaken und mal ein Friedensgeländespiel auszuprobieren. Die wichtigsten Forderungen an solch ein Spiel sind:

  • Ein Konflikt wird aufgezeigt mit mehreren Parteien.
  • Die Lösung dieses Konflikts ist sowohl durch Gewalt als auch auf friedlichem Weg möglich.
  • Das Spiel muss allen Beteiligten Spaß machen, sie müssen in ihrer Rolle aufgehen können.

Hier nun ein Beispiel für so ein Spiel:
Eine Gruppe von Forschern ist im Urwald (in der Wüste) mit dem Flugzeug Not gelandet. Sie haben von ihrem kostbaren Material einiges retten können. Da sie aber sehr wenig Verpflegung haben und außerdem einer ihrer Mitarbeiter schwer verletzt ist und dieser dringend ärztliche Hilfe benötigt, müssen sie so schnell wie möglich die nächste Forschungsstation erreichen. Aus ihrer Karte ersehen sie, dass sie durchaus die Station rechtzeitig erreichen können. Sie müssen aber dabei das Gebiet von „wilden Eingeborenen“ und einen Sumpf durchqueren. Sie könnten zwar beides umgehen, haben dafür aber nicht genügend Proviant und der Verletzte wäre sicherlich gestorben. Sie wissen auch nicht, ob sie sich aus dem Urwald verpflegen können.
Die Gruppe der Forscher bekommt verschiedene Geräte: Zeltplanen, Seile, Äxte, Karte, Kompass; sie mussten mit Hilfe dieser Gerätschaften eine Trage für ihren Verletzten bauen. Die Gruppe war dadurch in ihrer Bewegungsfreiheit eingeengt, sie musste also bei eventuellen Angriffen unbedingt zusammenhalten. Die Eingeborenen stellten sich vorher Speere, Keulen usw. her. Beide Parteien erhalten Lebensbändchen, jeder aber nur eines (wie im täglichen Leben auch), dadurch wird der eigene Einsatz gefahrvoller und regt zum Nachdenken an. Da wir dieses Spiel nicht in einem Sumpfgebiet durchführen können, wird die Aufgabe der Forschergruppe dadurch erschwert, dass sie zwar eine Karte besitzt, aber nicht genau die Richtung weiß, in der die Forschungsstation liegt. Die Eingeborenen wissen aber genau, wo sich die Station befindet, das sie in früherer Zeit bereits Auseinandersetzungen mit Weißen von dieser Station hatten.
Die Abhängigkeit der Forscher von den Eingeborenen liegt auf der Hand. Vor dem Spiel werden beide Gruppen kurz über die Situation unterrichtet. Der weitere Spielverlauf liegt nun aber in der Hand der Teilnehmer. Beide Gruppen werden dann aber noch einmal getrennt über ihre Situation unterrichtet.

Der Forschergruppe wird dazu Folgendes gesagt:
Mit eurem Flugzeug seid ihr hier in der Wüste (dargestellt durch eine freie Wiesenfläche von ca. 300 auf 700 Metern; ringsum hoher Wald oder ähnliches als Urwald) Not gelandet. Einiges von eurem wertvollen Forschungsgerät konntet ihr retten. Es ist in dieser Kiste. Einer eurer Mitarbeiter ist schwer verletzt, ihr müsst also für ihn eine Trage bauen. Ihr habt nur für wenige Tage Verpflegung und werdet euch aus dem Urwald wohl nicht ernähren können, deshalb müsst ihr schnell zur nächsten Urwaldstation. Dort wird der Kranke auch ärztliche Hilfe bekommen. Euer Material müsst ihr mitnehmen, ihr wisst nicht, wozu ihr es noch brauchen könntet. Leider wisst ihr euren eigenen genauen Standpunkt nicht, aber ihr kennt die ungefähre Richtung der Station (zeigen). Also macht euch schnell auf den Weg, vielleicht müsst ihr die Station noch suchen. Ihr rechnet natürlich damit, von Eingeborenen überfallen zu werden. Schützt euch dagegen, haltet zusammen, bedenkt aber, dass jeder nur ein Lebensbändchen hat, wenn es geraubt ist, scheidet er aus. Ihr habt verloren, wenn alle von euch getötet worden sind bzw. ihr die Station nicht erreicht habt, bzw. wenn ihr den Kranken im Stich lasst. Beeilt euch also! Es geht um euer Leben! Handelt schnell, aber besonnen, ihr habt keine Chance, es wieder gut zu machen! Sprecht euch vorher ab, was ihr macht, falls ihr überfallen werdet! Lasst ihr euch auf einen Kampf ein? Oder versucht ihr zu verhandeln?
Danach muss etwas Zeit für die Gruppe bleiben, um diese Frage zu überlegen und sich auf den Marsch vorzubereiten.

Die andere Gruppe erhielt folgende Mitteilung:
Ihr seid eine Eingeborenengruppe hier in diesem Urwald. Irgendwo in diesem Urwald haltet ihr euch ganz versteckt. Ihr seid im Moment auf der Jagd, stellt euch also Pfeil und Bogen, Speere und Keulen her und streift durch den Urwald. Früher hattet ihr schon mal Kontakt zu den Weißen. Sie haben euch von eurem Grund und Boden verjagt und darauf eine Station gebaut. Bei diesen Kämpfen sind viele eurer Stammesangehörigen grausam hingemordet worden. Deshalb hasst ihr die Weißen und bringt auch jeden um. Allerdings wisst ihr auch, dass sie Feuerwaffen besitzen, mit denen sie auf weite Entfernung euch töten können. Wenn ihr sie also fangen wollt, müsst ihr listenreich sein. Vielleicht könntet ihr gefangene Weiße in der Station gegen diese Feuerwaffen und andere technische Errungenschaften austauschen.
Gestern habt ihr gesehen, dass in der Wüste ein silberner Vogel gelandet ist. Ihr könnt nicht in die Wüste gehen, denn das verbietet euer Gesetz. Wartet also, vielleicht versuchen sich einige zur Station durchzuschlagen, und es bietet sich so für euch eine günstige Gelegenheit, auf andere Weise zu technischem Fortschrift zu gelangen.

Dieses Spiel wurde schon mehrfach durchgeführt. Hier ein Ergebnis:
Die Gruppen einigten sich und unterzeichneten sogar einen Vertrag. Dafür bedurfte es aber am Anfang einiger Anstrengungen der beteiligten Gruppenleiter, ein bisschen Stimmung in das Spiel zu bringen. Am Anfang verlief alles planmäßig. Da die Forscher ihre knifflige Situation erkannt hatten, fertigten sie sich gleich eine weiße Fahne an, um den Eingeborenen zu zeigen, dass sie keine kriegerischen Absichten hatten. Die Eingeborenen sahen die Forscher über die Wüste in den Urwald marschieren, legten sich in einen Hinterhalt, ließen dann aber doch von ihrem Plan ab, als sie die weiße Fahne sahen. Sie versperrten den Forschern den Weg,und dann begann ein richtiges Zeremoniell. Die „Häuptlinge“ traten drei Schritte vor in Begleitung eines Dolmetschers, denn die Eingeborenen hatten sich sogar eine eigene schwerverständliche Sprache gemacht. Das nun folgende Palaver war relativ kurz, da die Forscher sich in einer Zwangslage befanden und somit Zugeständnisse machen mussten. Damit sich die Parteien aufeinander verlassen konnten, wurde ein Friedenszeichen und ein Unterstützungsvertrag geschlossen. Zum Glück brauchte der Verwundete dann nicht mehr mit vereinten Kräften zur Station gebracht werden, denn der Medizinmann ließ ihn Dank seiner übersinnlichen Kräfte wieder auferstehen. Zum Zeichen der Verbundenheit und mangels Gelegenheit, eine Friedenspfeife zu rauchen, tauschten die Gruppen ihre Lebensbändchen untereinander aus.

Der Ausgang der Geschichte klingt wie ein Märchen. Trotzdem war das Ganze auch von einem Großteil der Teilnehmer nicht als ein so gutes Spiel aufgefasst worden, wie es bei einem herkömmlichen Geländespiel der Falls ist. Hier mögliche Verbesserungsvorschläge: Die Dauer des Geländespiels erheblich erweitern, die Teilnehmerzahl möglichst groß halten. Die Gruppenleiter sollten nicht zu stark lenkend eingreifen, es können schon regelrechte Kämpfe stattfinden, bei denen schon ein paar ihr Leben lassen müssen. Die Gruppen sehen dann schon eher ein, dass sie nichts damit erreichen, sondern sich selber vernichten. Hat bereits eine Eskalation stattgefunden, ist es auch nicht mehr so einfach, sich zu einigen.
Man sollte das Geländespiel auch nicht von vorneherein als Friedensgeländespiel deklarieren. Die Teilnehmer stehen dann unter Druck, nur noch friedlich zu handeln. Dadurch geht ein Teil des Spielgeistes verloren.

Hier noch eine weitere Spielidee:
Ein Bach bildet die Grenze zwischen zwei Parteien. Eine Partei besitzt Feuer und Gerätschaften sowie das Know-how des Nahrungserwerbs (Dosenöffner sowie eine Karte, auf der das Nahrungsmittellager eingezeichnet ist). Die andere Partei hat auf ihrem Gebiet die Nahrung liegen (Konservendosen), kann aber allein nichts damit anfangen. Beide Parteien sollen satt werden. Sieger ist die Gruppe, die der anderen so wenig wie möglich schadet.

Aus der Arbeitshilfe der DPSG Würzburg

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